Bundesliga

25.05.2017 - 11:20 Uhr


Die Trends der Saison 2016/17

Köln - Nun ist auch Saison Nummer 54 seit Gründung der Bundesliga Geschichte. Viel ist passiert in den vergangenen zehn Monaten. Bayern München wurde wieder Meister, auch Borussia Dortmund zog erneut in die Champions League ein, und der Hamburger SV kämpfte einmal mehr bis in die Schlussminute um den Klassenerhalt. Das waren die Konstanten. Ansonsten wurde die Tabelle kräftig durcheinander gewirbelt. bundesliga.de fasst einige bemerkenswerte Daten der Spielzeit 2016/17 zusammen.

Dass die Bayern nun bereits zum fünften Mal in Folge Deutscher Meister wurden, überraschte ebenso wenig wie das Abschneiden von Dortmund und Hamburg oder der Abstieg des FC Ingolstadt oder des SV Darmstadt 98. Ansonsten wurde die These, dass in der Bundesliga jeder jeden schlagen kann, aber mit so viel Leben gefüllt wie selten zuvor.

Eine verrückte Saison

So wurde RB Leipzig als erster Aufsteiger Vize-Meister, es könnten dank des sensationellen SC Freiburg erstmals überhaupt beide Aufsteiger den Europacup erreichen (wenn Dortmund den DFB-Pokal gewinnt und Freiburg die Playoffs übersteht) und mit der TSG Hoffenheim klopft ein Club an die Tür zur Champions League, der vor der Verpflichtung von Julian Nagelsmann so gut wie abgestiegen war.

Video: Neun-Tore-Spektakel bei #RBLFCB

Hertha BSC verlor als Tabellensechster neun Auswärtsspiele in Folge und kassierte insgesamt 15 Niederlagen. Der 1. FC Köln konnte sich noch auf Platz 5 schieben und wird erstmals seit 25 Jahren Europacup spielen, obwohl von den letzten 23 Spielen ganze sechs gewonnen wurden.

Die zuletzt üblichen Europacup-Kandidaten - Bayer Leverkusen, Schalke 04, Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg - verpassten trotz teurer Spielerverpflichtungen allesamt das internationale Geschäft oder kämpften sogar gegen den Abstieg.

Konstanter Torschnitt trotz weniger Torschüsse

877 Tore fielen 2016/17, das sind knapp mehr als in der letzten Saison (866), vor zwei Jahren waren es nur 843). Der Schnitt liegt bei 2,9 Treffern pro Partie. Das Spieljahr 2013/14 war mit 3,2 Toren pro Partie ein positiver Ausrutscher, ansonsten fallen seit 25 Jahren 2,7 bis 3 Treffer pro Bundesliga-Partie, was im internationalen Vergleich ein guter Schnitt ist.

Gerade defensiv spielen die Bayern in ihrer eigenen Welt, sie fingen 22 Gegentore, alle anderen Mannschaften mindestens 37. Wirklich stabile Defensiven sind in der Bundesliga Mangelware, was die Fans freut. Der Toreschnitt wurde etwas verbessert, obwohl immer seltener der Abschluss gesucht wird: 7.633 Torschüsse, also 25 pro Spiel, sind die wenigsten seit Beginn der Datenerfassung.

Ein Rekord an Joker-Toren

Die meisten Torschüsse gab es in den Partien des FC Bayern, die wenigsten in den Spielen von Eintracht Frankfurt. Werder Bremen bringt es mal wieder auf ein beeindruckendes Torverhältnis von 61:64.

Video: Super-Joker Petersen

Erfolgreich wie nie zuvor waren die Einwechselspieler: 124 Joker-Tore sind ewige Bestleistung für eine Bundesliga-Saison! Der bisherige Höchstwert lag bei 110 aus der Spielzeit 2004/05. In der letzten Saison waren es nur 85 Treffer durch Reservisten. 14 Prozent aller Treffer wurden von Spielern erzielt, die erst im Laufe der Partien auf den Rasen kamen (also rund jedes siebte).

Alleine Nils Petersen markierte neun Joker-Tore 2016/17 und überholte Alexander Zickler (18 Jokertore) als Bundesliga-Rekordjoker (Petersen 19); Julian Nagelsmann war der Trainer mit dem goldensten Händchen (13 Jokertore), der HSV stellte mit 15 Jokergegentoren einen unrühmlichen neuen Saisonrekord auf.

Viele verschossene Elfmeter

In dieser Saison gab es so viele Elfmeter wie seit 15 Jahren nicht mehr (98); die Schiedsrichter ahndeten auch kleine Berührungen im Strafraum konsequent. Die viel diskutierten Handspiele haben dabei entgegen der öffentlichen Meinung nur einen sehr geringen Anteil an den vielen Strafstößen: Es gab lediglich acht Handelfmeter! Letzte Saison waren es insgesamt 13, vorletzte 12, im Spieljahr 2013/14 noch 19 und 2012/13 deren 20.

Die Schützen schwächelten: Lediglich 72 Prozent der Strafstöße wurden verwandelt, das ist die schwächste Quote seit sechs Jahren. In der letzten Saison waren 79 Prozent der Elfer drin, vor zwei Jahren 82 Prozent.

Mehr Heimsiege und Platzverweise

Im siebten Jahr in Folge lag der Anteil der Remis unter 28 Prozent (24 Prozent). Die Bundesligisten spielen auf Sieg, dabei gab es in dieser Saison den höchsten Anteil an Heimsiegen seit 13 Jahren (49 Prozent, im Vorjahr waren es nur niedrige 44 Prozent).

Video: Höchster Heimsieg der Saison, FCB - HSV 8:0

Auch "dank" des 14. Spieltages, an dem gleich sieben Spieler vorzeitig von den Schiedsrichtern vom Feld geschickt wurden, gab es in dieser Saison 56 Platzverweise, letzte Saison waren es nur 40. Hoch ist dieser Wert aber nicht. Seit Einführung der Gelb-Roten Karte 1991 gab es nur vier Saisons mit weniger Platzverweisen als in der aktuellen.

Aktuell 1.143 Gelbe Karten sind knapp weniger als in der letzten Saison, aber mehr als in den vorherigen sechs Saisons; auch wenn es immer weniger Fouls gibt, geht die Anzahl der Verwarnungen tendenziell nach oben (ein Grund sind die strenger geahndeten taktischen Fouls).

Historisches Torjäger-Trio

Bernd Hölzenbein ist der beste Dritte einer Torschützenliste aller Zeiten. 1976/77 traf der Weltmeister beachtliche 26-mal und musste doch den beiden Müllers den Vortritt lassen. Ähnlich erging es nun Anthony Modeste vom 1. FC Köln, der zuletzt trotz seiner 25 Tore keine realistische Chance auf einen der ersten beiden Plätze in der Torschützenliste mehr hatte. Wir erlebten also eines der besten Torjäger-Trios der Bundesliga-Geschichte.

Robert Lewandowski erzielte wie im vergangenen Jahr 30 Tore. Nur der unfassbar starke Pole, der noch zehn Mal das Torgestänge traf (Höchstwert seit Erfassung dieser Daten), und Gerd Müller schafften mehr als eine Bundesliga-Saison mit mindestens 30 Toren.

Dafür verbesserte der neue Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang mit seinen 31 Saisontoren den bisher von Lewandowski gehaltenen Rekord der meisten Treffer eines Ausländers innerhalb einer Saison. Da gehen die sensationellen 21 Tore von Timo Werner fast unter. Mehr als 20 Saisontore mit unter 22 Jahren schafften in der Bundesliga zuvor nur Gerd Müller und Dieter Müller.

Fast nur Leipzig und Bremen kontern erfolgreich

128 Kontertore fielen nur in dieser Saison, in jeder anderen Spielzeit des neuen Jahrtausends waren es mehr. Dass erfolgreiches Konterspiel aber dennoch möglich ist, zeigen der Aufsteiger aus Leipzig und in der Rückrunde Werder Bremen.

14 Kontertore markierten die Leipziger, sogar 15 Werder Bremen (14 davon nach der Winterpause). Der superschnelle Timo Werner erzielte sieben Kontertore. Dass Spielintelligenz für erfolgreiches Konterspiel mindestens ebenso wichtig ist wie Schnelligkeit zeigt Max Kruse: Kein Ligaspieler war an so vielen Kontertoren als Schütze oder Vorbereiter beteiligt wie der Bremer (zehn, gefolgt von seinem kongenialer Partner Fin Bartels mit neun).

Neue Trainergeneration

Neun Trainerwechsel wie in dieser Saison sind ein durchschnittlicher Wert. In den letzten acht Jahren gab es immer sieben bis zwölf. Auffällig: Nach dem 23. Spieltag musste kein Trainer mehr gehen. Richtig Gas gaben die Verantwortlichen in der Hinrunde, in der Werder Bremen und der Hamburger SV ihre Coaches bereits nach drei bzw. fünf Spieltagen tauschten.

Punktemäßig brachten fast alle Trainerwechsel Verbesserungen, aber nur in Bremen gelang nach längerem Anlauf wirklich der große Durchbruch. Auffallend war, dass bewährte Bundesliga-Kräfte mit Ausnahme von Dieter Hecking nicht gefragt waren.

12 der 18 aktuellen Trainer erleben gerade ihre erste Bundesliga-Station. Für den Titel des Trainers des Jahres gibt es mehrere Kandidaten. Zu nennen wären sicherlich der Leipziger Coach Ralph Hasenhüttl ebenso wie seine Kollegen Thomas Tuchel (Dortmund), Julian Nagelsmann (Hoffenheim), Peter Stöger (Köln) oder Christian Streich (Freiburg).

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