Bundesliga

27.05.2017 - 16:50 Uhr


Zehn Höhepunkte der Bundesliga-Saison 2016/17

Ein emotionaler Moment: Bayern-Kapitän Philipp Lahm sagt Servus

Köln - Ein Frankfurter besiegt den Krebs, ein Weltmeister beendet seine Karriere. Und der "Dino" rettet sich am letzten Spieltag. Zehn Höhepunkte der Bundesliga-Saison 2016/17.

>>> Hol dir die Bundesliga-App!

1. Abschied der Saison

Zum achten Mal stemmte er die Meisterschale in die Höhe - und es war das letzte Mal: Philipp Lahm beendete nach 652 Pflichtspielen in 15 Jahren als Profi beim FC Bayern München und dem VfB Stuttgart seine beeindruckende Laufbahn. 1989 begann er bei der kleinen FT Gern in München das Fußballspielen - 1995 wechselte er als Elfjähriger zum FC Bayern und legte dort über den Umweg Stuttgart eine Weltkarriere hin. Bis auf den EM-Titel gewann der 33-Jährige alles.

Der Höhepunkt waren der WM-Triumph 2014 und das Triple mit den Bayern 2013 - und das jeweils als Kapitän. Das Amt des Sportdirektors bei den Münchnern nach seinem Karriereende lehnte er ab. Was die Zukunft bringt, weiß Lahm noch nicht so recht. "Erst einmal Urlaub, dann ist alles möglich", sagte er. Verstärkt will er sich um seine Stiftung kümmern und um die Unternehmen, an denen er schon beteiligt ist, und natürlich um seine Familie. Lahm wird bald zum zweiten Mal Vater.

2. Comeback der Saison

Nach dem Schlusspfiff lief Marco Russ mit Töchterchen Vida auf dem Arm in Richtung Fankurve und ließ sich feiern. Ehefrau Janina stand mit Tränen in den Augen an der Seitenlinie. Das Comeback des Mittelfeldspielers von Eintracht Frankfurt am 28. Februar gehörte zu den emotionalsten Momenten der Saison. "Ich kann das kaum beschreiben", sagte Russ, der nach seiner Krebserkrankung und knapp zehnmonatiger Leidenszeit endlich wieder spielen konnte.

"Es war eine harte Zeit. Ich habe es einfach nur genossen." Zweimal hatte sich der Fußballprofi einer Chemotherapie unterziehen müssen. "Meine Geschichte zeigt, dass man solche Krankheiten überstehen kann", sagte der 31-Jährige: "Ich sehe mich schon als Vorbild und genieße jeden Einsatz."

3. Trainer der Saison

Beim Fazit für die überragende Saison wurde Christian Streich fast ein wenig sentimental. "Wir haben gar nicht so selten gewonnen", sagte der Trainer des SC Freiburg nachdenklich und mit leiser Stimme: "Und für mich ist es noch immer etwas ganz Besonderes, in der Fußball-Bundesliga ein Spiel zu gewinnen." Anstatt nach dem Aufstieg um den Klassenerhalt zu kämpfen, konkurrierten die Freiburger trotz ihres geringen Etats bis zum Schluss mit deutlich finanzkräftigeren Klubs um den Einzug in die Europa League - weil Streich seine Spieler immer wieder perfekt einstellte.

Am Ende stand Platz sieben - sensationell. "Das ist natürlich extrem anstrengend. Und vor jedem Spiel denkt man sich: Hoffentlich habe ich es so gemacht, dass es klappt." Streich ist es dabei zum wiederholten Male gelungen, eine verschworene Gemeinschaft zu formen. Viele SC-Profis des aktuelles Kaders werden von andere Klubs umworben, es droht der Verlust von Leistungsträgern. Streich kennt das schon, den Fluch der guten Tat.

4. Nervenkitzel der Saison

Der Hamburger SV machte es einmal mehr sehr spannend, die Fans der Hanseaten hatten sich fast schon mit dem unrühmlichen Relegations-Triple nach 2014 und 2015 arrangiert - aber der Dino sicherte sich im letzten Moment doch noch den direkten Klassenerhalt. Das Saisonfinale gegen den VfL Wolfsburg (2:1) beruhigte die Nerven der Hanseaten vorzeitig, das Nachsitzen fällt aus. "Wir haben uns eine große Chance erarbeitet", sagte Trainer Markus Gisdol vor dem Spiel gegen die Wölfe - schließlich waren die Hanseaten nach dem zwölften Spieltag noch abgeschlagen Letzter.

Es folgte trotz des Wirbels um den Rauswurf des Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer ein Zwischenhoch, Anfang April wähnte sich der HSV angesichts von vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz schon fast am Ziel. Doch dann der Einbruch, die Fans zitterten wieder um ihren Klub. Aber im zweiten Kurz-Trainingslager der Saison in Rotenburg (Wümme) fand Gisdol offenbar wieder den richtigen Ton.

>>> Alle Infos zu #HSVWOB im Matchcenter

5. Aufsteiger der Saison

Direkte Qualifikation für die Champions League, Vizemeisterschaft und ein heißes Duell mit Bayern München: Die Premierensaison in der Bundesliga hätte für RB Leipzig kaum besser laufen können. Sportlich brachte der Aufsteiger, der zwischenzeitlich sogar die Tabellenführung übernahm, frischen Wind ins Oberhaus und ärgerte die etablierten Klubs gewaltig. So wie beim packenden 4:5 gegen Meister FC Bayern!

Ralph Hasenhüttl bot mit seinem Team attraktiven Offensiv-Fußball, die junge Mannschaft der Sachsen überrannte viele Gegner förmlich und erspielte sich so viele Sympathien. Und so startet der Rekordaufsteiger in der kommenden Saison auch in der Königsklasse durch - ein weiterer Meilenstein der kurzen Klubgeschichte (Gründung: 2009) ist erreicht.

>>> Naby Keita im Interview: "Es ist wie in einem Traum"

>>> Alle Infos zu #RBLFCB im Matchcenter

6. Tor der Saison

Karim Bellarabi kennt sich mit Rekorden aus. 2014 erzielte er am ersten Spieltag gegen Borussia Dortmund nach nur neun (!) Sekunden das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte. Mitte Februar gelang dem 26 Jahre alten Nationalspieler beim 3:1 von Bayer Leverkusen beim FC Augsburg der 50.000 Treffer in der Bundesliga-Historie.

Knapp 54 Jahre nach dem Premierentor des Dortmunders Timo Konietzka (24. August 1963) traf Bellarabi in der 23. Minute zur umjubelten Führung. "Das nehme ich gerne mit. Es ist natürlich etwas Besonderes und freut mich", sagte der Offensivspieler. Das Jubiläumstor widmete er seiner Familie, aber auch dem gesperrten Hakan Calhanoglu: "Er ist ein wichtiger Teil von uns." 

>>> Zum Artikel: Karim Bellarabi schießt das 50.000 Bundesliga-Tor

>>> Interview mit Bellarabi nach seinem historischen Treffer

7. Duell der Saison

Pierre-Emerick Aubameyang gegen Robert Lewandowski - zwei vollkommen unterschiedliche Typen lieferten sich ein Preisschießen um die Torjägerkanone. Mit einem Doppelpack im letzten Saisonspiel gegen Werder Bremen gewann Dortmunds Stürmerstar. Der Gabuner kam auf 31 Saisontreffer. 

Vor ihm hatten erst drei BVB-Profis die Torjägerkanone gewonnen: Lothar Emmerich (1965/66), Marcio Amoroso (2001/02) und Robert Lewandowski (2013/14); jener Stürmerstar des FC Bayern München, den Aubameyang in dieser Saison auf den zweiten Platz verwies (30). Den dritten Platz sicherte sich der Kölner Anthony Modeste (25 Tore).

8. Rekord der Saison

Als Julian Nagelsmann die TSG 1899 Hoffenheim im Februar 2016 übernahm, waren die Kraichgauer Tabellenvorletzter. Nicht einmal anderthalb Jahre später hat der Trainer-Jungspund, der immer noch erst 29 Jahre alt ist, den Klub in Richtung Königsklasse geführt - und auf dem Weg dahin Rekorde gebrochen. Erstmals in der (noch recht jungen) Vereinshistorie blieb die TSG im eigenen Stadion unbesiegt, die erste Saisonniederlage kassierte Hoffenheim erst in der Rückrunde (1:2 bei RB Leipzig am 28. Januar).

Der bisherige Punkte-Rekord (55 Zähler aus der Saison 2008/09) ist ebenfalls Geschichte, und im 18. Anlauf gelang auch ein Sieg gegen Rekordmeister FC Bayern München (1:0 am 4. April). "Wir haben Mut bewiesen, einem so jungen Kerl das Vertrauen zu schenken", sagte Mehrheitseigner Dietmar Hopp dem Klub-Magazin: "Jetzt wird dieser Mut belohnt. Natürlich liegt die gute Saison auch am Trainer."

>>> Alle Infos zu #TSGFCB im Matchcenter

9. Fangesang der Saison

Der Song ist längst ein Klassiker, und ständig kommen neue Strophen hinzu. "Wer feiert täglich Schützenfest? Anthony Modeste!", singen die Fans des 1. FC Köln über ihren Torjäger - dabei gab es noch im Sommer 2015 durchaus Zweifler. Gesucht wurde damals: Ein neuer Stürmer, schnell, spielstark, torgefährlich. Einer für größere Ziele. Der FC holte: Anthony Modeste, damals 27 Jahre alt, zuvor Bankdrücker bei 1899 Hoffenheim.

Zwei Jahre später sind alle Zweifel verflogen, dem Franzosen liegt eine ganze Stadt zu Füßen. Modeste ist bester FC-Torschütze seit mehr als 30 Jahren, und er ist der Hauptgrund dafür, dass der Klub seine stärkste Saison seit einem Vierteljahrhundert spielte. Treffsicherer waren nur Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang. Und so singen die Fans: "Wer schießt Köln nach Budapest? Anthony Modeste."

10. Aufholjagd der Saison

Im Februar mitten im Abstiegskampf, am Saisonende nur knapp an der Europa League vorbei: Auch ohne das erst beim Saisonfinale verpasste Comeback auf internationaler Bühne kann der SV Werder Bremen nach seiner spektakulären Aufholjagd in der Rückrunde zufrieden sein und zuversichtlich nach vorne schauen.

Trainer Alexander Nouri, sein Team und die Werder-Führung behielten im Winter die Nerven, als die Ablösung des Nachfolgers von Viktor Skripnik nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien. Besonnen lenkte Nouri die Hanseaten aus dem Keller, und durch eine Serie von elf Spielen ohne Niederlage avancierte Bremen zu einem Kandidaten für die Teilnahme am internationalen Geschäft. Damit klappte es zwar nicht. Dafür bekam Alex Nouri einen neuen Vertrag.

Weitere Artikel
Die Bundesliga APP
Service

© 2017 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH