Zusammenfassung

  • Coach Peter Bosz ist mit den spielerischen Ansätzen schon sehr zufrieden

  • Selbst Thomas Müller lobt das starke Pressing des BVB

  • Sokratis warnt aber, dass die Mannschaft noch Zeit brauche

Dortmund - Spiel verloren, Selbstvertrauen gewonnen: Nach der 6:7-Niederlage nach Elfmeterschießen im Supercup gegen die Bayern darf sich der BVB über viele gute Ansätze freuen. Vor allem das Pressing kann unter dem neuen Trainer Peter Bosz zu einer echten Waffe werden.

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Er sei überzeugt, dass seine Mannschaft im Supercup wieder einen großen Schritt bei der Umsetzung seiner Spielphilosophie machen werde, hatte Peter Bosz vor dem Duell mit den Bayern gesagt. Genau das darf man den Dortmundern 90 Spielminuten später durchaus attestieren – und dennoch war der Niederländer nicht zufrieden: "Wir haben zu viele einfache Bälle verloren. Wenn wir dann pressen müssen, ist das Spielfeld viel zu groß. Wenn wir kompakter stehen, dann wird es auch für eine sehr gute Mannschaft wie Bayern schwierig. Wir müssen das besser machen."

Mit seiner kritischen Analyse hatte der Trainer nicht Unrecht. Vor allem in der ersten Halbzeit hatte der Gast aus München den Dortmundern aufgezeigt, wo es noch hakt – und welche Risiken das neue "System Bosz" in seiner offensiven 4-3-3-Ausrichtung birgt. Wird das Pressing ausgehebelt, findet der Gegner große Räume vor, die er nutzen kann. Weil der BVB hoch verteidigte, kamen die Gäste einige Male gefährlich in den Rücken der Abwehr. Mit geschickten Pässen überspielten die Bayern die schwarz-gelben Linien und verbuchten gute Chancen. Sind zudem die Abstände vor allem zwischen Abwehr und Mittelfeld zu groß, werden eigene Ballverluste schnell bestraft. An dieser Abstimmung muss der BVB weiter feilen, was für Sokratis aber auch selbsterklärend ist: "Wir sind erst einen Monat zusammen. Dass wir noch Zeit brauchen, ist ganz normal."

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Stark gepresst, dann eiskalt zugeschlagen - Christian Pulisic bejubelt das 1:0

Und doch wird auch Peter Bosz zufrieden registriert haben, dass sich seine Mannschaft in der Kürze der Zeit schon deutlich weiter entwickelt hat. Die Vorbereitungsspiele hatten zuvor viel Schatten gezeigt. Mal hakte es in der Defensive, dann fehlte es an der Gefährlichkeit nach vorne. Nur zwei Siege aus sechs Tests sprachen vor dem Duell mit dem deutschen Rekordmeister nicht unbedingt für gesteigertes Selbstvertrauen. Trotzdem gingen die Dortmunder diesen Supercup so selbstbewusst und engagiert an, dass schon in der Anfangsphase die Gefährlichkeit aufblitzte – Balleroberung und Treffer von Christian Pulisic inklusive. "Da waren wir griffig, standen hoch und kompakt. Dann kamen die Bayern aber immer besser ins Spiel", analysierte Nuri Sahin.

"Wenn man das Ergebnis einmal beiseite schiebt, ist es ein riesiger Fortschritt für uns. Die Phasen werden immer länger, in denen wir genau das spielen, was der Trainer von uns verlangt" Nuri Sahin

Vor allem aber mit den zweiten 45 Minuten war dann auch Peter Bosz zufrieden: "Da haben wir es richtig gut gemacht." Der BVB zeigte, wie Umschaltspiel und Pressing funktionieren können, wenn die nötige Kompaktheit da ist. Nach Ballgewinnen ging es schnell und zielstrebig nach vorne – der Vollgasfußball a la Klopp lässt schön grüßen, auch wenn die hochkarätigen Tormöglichkeiten noch Mangelware blieben. Das hohe Pressing stellte zudem die Bayern vor Probleme und nötigte auch Thomas Müller ein Kompliment ab: "Dortmund presst extrem. Wir haben uns nicht mehr gut vom Druck befreien können."

BVB-Coach Peter Bosz ist mit der Leistung seiner Mannschaft gegen die Bayern insgesamt zufrieden

So fällt der erste echte Prüfstein auf dem Weg in die neue Bundesliga-Saison für Borussia Dortmund trotz des verpassten Titelgewinns in die Kategorie Weiterentwicklung. "Wenn man das Ergebnis einmal beiseite schiebt, ist es ein riesiger Fortschritt für uns. Die Phasen werden immer länger, in denen wir genau das spielen, was der Trainer von uns verlangt", freute sich Nuri Sahin. Und damit war der Supercup eben doch genau das, was der Trainer sehen wollte, meint auch Dortmunds Mittelfeldstratege: "Es war definitiv wieder ein großer Schritt nach vorne."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte